Süheyla Asci, Von Nähe und Distanz, 22.3.-30.5.2020

Der Ausstellungstitel „Von Nähe und Distanz“ erscheint signifikant und treffend  in der aktuellen Situation, die dramatisch von der Coronavirus-Krise und den heiß diskutierten Begriffen der sozialen und physischen Nähe und Distanz kennzeichnet ist.

Trotz dieser brisanten Koinzidenz entstand der Ausstellungstitel natürlich anderweitig und ist der künstlerischen Arbeit von Süheyla Asci gewidmet – der intensiven, sowohl physischen, sinnlichen als empathischen und intellektuellen Auseinandersetzung und zugleich der nötigen wiederkehrenden Distanz im künstlerischen Arbeitsprozess.
Darüber hinaus stehen die Begriffe der Nähe und der Distanz in einem dynamischen, dialektischen Verhältnis – abhängig von dem jeweiligen persönlichem Empfinden, von Verständnis und Einsatz und dem kulturellen und sozialen Kontext, die dann zusätzlich jede künstlerische Kreation und Schwerpunktsetzung (auch die von Süheyla Asci) bestimmen und formen.

Asci selbst erklärte einmal ihre künstlerische Methode als ein Verfahren, bei dem sie die Dinge nicht als „fertig“ wahrnehme, sondern abwarte, dass sie sich entwickeln, sich „melden“ und sich wie von selbst als Objekt und Thema für die künstlerische Arbeit anbieten. Diese, wie wir es schon in der ersten Ausstellung von Asci in unserer Galerie genannt haben, „Selbstbestimmtheit der Dinge“ ist eine achtsame Handhabung der Künstlerin, die zugleich das Gegebene in ihrer Substanz aufnimmt und würdigt und schließlich als Arbeitsimpuls nutzt. Dies können wir jetzt in der zweiten Solo-Ausstellung in unserer Galerie auch mit Ascis besonderem Feinsinn für Nähe und Distanz erklären.

Ascis künstlerische Haltung hat daher nichts Fatalistisches oder gar Passives an sich, sondern eher etwas Aufgeklärtes und Hellhöriges – sie bestimmt die Dinge nicht, sondern verfolgt deren Entwicklung und Veränderungspotenzial. Asci überlässt ihre künstlerische Intervention nicht nur einer vermeintlichen Spontaneität – sie agiert aus einem tiefen Respekt für ihre Umgebung heraus, mit Empfindsamkeit für Akteure, Dinge und Geschehnisse und mit abwechselnder Nähe und Distanz.

In diesem Sinne besitzen ihre Kompositionen eine natürliche, authentische Struktur und Kraft – die Farben haben eine innere Energie und ein undogmatisches, variables Einsatzspektrum sowie Farbenschichten und Striche - die ob abstrahiert oder gegenständlich dem Charakter und Wesen des jeweiligen künstlerischen Themas vollkommen inhärent sind.
Ascis Malerei besitzt Fülle und Konsistenz, Perspektive und Horizont, Ruhe und Schwung. Ihre künstlerische Reaktion ist abwartend und ebenso dynamisch. Ihre Kompositionen bewegen sich in einem Spektrum von nahe und zart über verspielt bis hin zu exaltiert und fern - dennoch sind sie auf eine paradoxerweise verborgene Art durchdacht.
Kunstgeschichtlich betrachtet, haben Ascis Werke einen expressionistischen oder fauvistischen Ansatz, der im nächsten Blick schnell zeitgenössisch integriert und authentisch umgesetzt wird.

Die Ausstellung „Von Nähe und Distanz“ zeigt überwiegend Ascis Arbeiten aus den letzten zwei Jahren – sowohl Malerei als auch Zeichnungen, die wir mit dem beschriebenen Fokus auf die Begrifflichkeiten von Nähe und Distanz aus den zahlreichen Arbeiten der Künstlerin ausgewählt haben.

Die VERNISSAGE von Samstag, dem 21. März 2020 haben wir wegen der aktuellen Situation absagen müssen und werden sie so bald wie möglich nachholen.

In diesem Sinne wird die Ausstellungsdauer bis zum 30.5.2020 verlängert.

Öffnungszeiten (seit dem 22.4.2020): Di - Mi: 14 - 19 h und Do - Sa: 12 - 19 h

Einzelbesichtigung nach telefonischer Vereinbarung : Tel. 030 7800 6001

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In diesem Sinne wünschen wir allen stabile Gesundheit, Lebensnähe und nötige Distanz, um alles besser zu verstehen und zu überstehen!

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