Joax & Konstantin Schneider-Kunstkontakter, REVOLUTIONARY ART OB|SERVER, 15.3. - 10.4.2019

Mit jeder neuen Ausstellung wird entweder eine künstlerische Richtung, eine  Konzeption oder  Praxis bestätigt oder auch hinterfragt, neu ausgelegt oder sogar revolutioniert. In der modernen contemporary art scene kann man lange nach wirklich revolutionären Gedanken oder gar einer ganzen revolutionären Richtung suchen: ja, die Szene wirkt manchmal regelrecht erschöpft, dem Anlage-Kunstmarkt und der gesellschaftlichen Prominenz, dem Glamour allzu sehr verpflichtet und zugleich der strategischen und der willkürlichen Sensationsgestaltung der Medien unterworfen.

In diesem Sinne präsentiert die Ausstellung Revolutionary Art Ob|server auf den ersten Blick ein ambitioniertes Versprechen, vor allem aber eine notwendige Hinterfragung der heutigen Auffassung von Kunst. Und sie bringt eine besondere Ausstellungs-Konstellation - ein Duo: mit dem Bildhauer, Post-Media-Künstler und Künstler-Networker Joax und dem Kunst-Kontakter Konstantin Schneider, der sich in den letzten 13 Jahren als authentische Kunst-Instanz nicht nur in der Berliner Kunstszene, sondern auch international einen Namen gemacht hat.

Die beiden gehen der Frage nach, wo gegenwärtig revolutionäre Ideen und revolutionäre Praxis auszumachen sind - natürlich nicht nur gesellschaftlich-politisch gedacht, sondern auch in der aktuellen Kunst. In diesem Kontext werfen die beiden Künstler mit dieser Ausstellung einige Fragen auf, machen einen neuen ‚Denkraum’ auf: Wer ist in diesem Kontext heute noch ein revolutionärer Beobachter, Lieferant oder Sympathisant, und:  sind wir, ‚die alte Garde’, vielleicht immer noch der Verführungsmagie des Begriffes ‚Revolution’ unterworfen? Und hat dagegen die junge contemporary world  den schon als wirklichkeitsfern gebrandmarkten Terminus, den altmodischen Fetisch revolution, bereits endgültig verworfen?
In der Ausstellung Revolutionary Art Ob|server haben wir zusammen mit den beiden Künstlern zwei Räume konzipiert: einen konventionell besetzten, der nichtsdestotrotz unkonventionelle Skulpturen und Grafiken von Joax präsentiert und und einen Raum als Installation - die „gelbe Invasion“ der alltäglichen und abenteuerlichen Objekte und Sprüche von Konstantin Schneider.

Konstantin Schneider observiert seit über 13 Jahren als Berliner Kunstkontakter. In dieser Zeit er hat im wörtlichen Sinne seines Kunst-Beinamens Vernissagen und Kunstevents weltweit besucht und den allseitigen Kontakt mit Kunst neu befördert. Angesichts der Radikalität, mit der sich die Welt seit 2006 gesellschaftlich, politisch, wirtschaftlich, kulturell und medial verändert hat, wuchs der als „rasender Reporter“ gestartete Performer allmählich in die Rolle eines bildenden Künstlers hinein, wovon er in der Ausstellung Revolutionary Art Ob|Server beeindruckend Zeugnis ablegt.

"Vor diesem Hintergrund wird auch das Verhältnis von Kunst zu Künstlichkeit neu interpretiert werden müssen, zumal die Kultur gerade dabei ist, die Autonomie des Künstlers in Frage zu stellen", wie es Konstantin Schneider in seinem eigenen Blog-Newsletter schreibt. Kunstkontakter ist somit eine Art Aufklärer, der scih nicht nur aus eigener Selbstdarstellung schöpft sondern sich darüber hinaus immer in der Relation zu Kunst-Akteueren definiert und dabei neue künstlerische Positionen aufdeckt.

Den Bildhauer und Aktionskünstler Joax verbindet mit dem Kunst-Kontakter  Schneider eine gewisse Art-Network- und missionarische Idee: nämlich durch Kunst die Welt frei zu erkunden, zu enthüllen und fern von moralisch bedenklichen politischen und wirtschaftlichen Strategien beeinflussbar zu machen. Joax arbeitet in diesem Sinne auch engagiert an der Verbreitung von Kunst und beschäftigt sich zugleich intensiv, prosaisch und ironisch mit zeitgenössischen Werten, Trends und Objekten der alltäglichen Kulturpraxis.

Seine Skulpturen sind aus Stahl, mit ordentlich Gewicht im Hauptteil, dann aber organisch ergänzt durch leichte Materialien wie Kunststoff oder auch durch knallige farbige Details. Neben den mächtigen, kurvigen Skulpturen aus Stahl, die über sein bildhauerisches Handwerk zeugen, baut Joax auch Objekte als selbstgebastelte Bomben und Granaten aus verschiedenen Bauteilen unseres 'harmlosen' Lebensgebrauchs. Ausnahmslos lösen seine Objekte Überraschung oder paradoxe Effekte aus, sensationalistisch wie auch realistisch, denn er zeigt uns unsere Gegenstandswelt und unsere Wertsysteme – nüchtern und bedrohlich zugleich.

Oder, wie er selbst auf den Spuren von Immanuel Kant, über die gleichzeitige menschliche  Ambivalenz des „Hangs zum Bösen“ und der „Anlage zum Guten“ hinzufügt: „Den individuellen Gebrauch bestimmt der heutige Mensch mehr denn je, und trotz seines enzyklopädischen Wissens, trotz seiner Zivilisationserfahrung ist dabei der „Hang zum Guten“ nicht zwingend selbstverständlich. Vielmehr scheint es so zu sein, dass eine unübersichtliche Welt sich in eine ungewisse Zukunft hinein entwickelt und sich radikalisiert.“

In diesem Kontext bewegt sich die künstlerische Arbeit und die Herangehensweise von Joax, und sie korrespondiert synergetisch und fast lückenlos mit der Raum-Installation von Konstantin Schneider.

Wir sind sehr glücklich, diese besondere und gewiss gewagte Ausstellung mit Joax und Konstantin Schneider realisieren zu können.

VERNISSAGE: Freitag, den 15. März 2019, 19 - 22 Uhr

Die Künstler werden anwesend sein.

Ausstellungsdauer: 15.3. - 10.4.2019

Öffnungszeiten: DI - FR: 11.30 – 18.30 h

Text:Ljiljana Vulin-Hinrichs

Mehr Bilder unter: https://www.facebook.com/subjectobject.de/

Text: Ljiljana Vulin-Hinrichs

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