Burchard Vossmann, Too Much Is Not Enough, 1.12.2018 - 5.1.2019

Die Ausstellung "Too Mutch Is Not Enough" stellt zum ersten Mal die Arbeiten von Burchard Vossmann unserem Galerie-Publikum vor und trotzdem ist der Künstler  für die meisten kein Unbekannter. Denn sein besonderer künstlerischer Ansatz – die „Shred-Art“ -  ist für sehr viele, die sich in der Berliner Kunstszene auskennen, ein Begriff.

Der Ausstellungstitel „Too Much Is Not Enough“ verrät im Weiteren sein künstlerisches Konzept: Vossmann verarbeitet Abertausende von winzigen Schnipseln aus verschiedenen gedruckten Materialien (alte Magazine, Schallplatten-Cover, Streichhölzer, Briefmarken oder Fahrkarten aus fernen Ländern, Zigaretten- und Waschpulver-Verpackungen oder sogar Geldscheine). Sie werden alle in einen neuen Kontext gesetzt, dadurch minutiös auf- und umgewertet und stellen auf diese Weise subtile Male und Zeichen dar für unsere unsere gegenwärtige Überfluss- und Wegwerfkultur. 

Vossmanns künstlerischer Ansatz ist heute brisanter und aktueller denn je – obwohl er damit schon seit dem Ende der 1980-er Jahre arbeitet.  Um diese künstlerische Entwicklung besser verfolgen zu können, zeigen wir in der Ausstellung seine Arbeiten aus verschiedenen Phasen seiner künstlerischen Entwicklung.

Burchard Vossmann hat nach seinem Grafik-Studium als Designer gearbeitet. Seine grafischen Tätigkeiten und Fertigkeiten, die in einem ihm eigenen permanten Anspruch Konsumgüter, verschiedenste Produkte und Produktleistungen ästhetisch optimal kommunizieren und gestalten,  ergänzte Vossmann  immer mehr mit der Faszination des Sammelns von vielen Gegenständen und Materialien unserer Konsumenten-Kultur, die verbraucht oder nicht verbraucht einfach weggeworfen wurden.  Diese Sammel-Passion verfolgte er weltweit (USA, Europa, Asien bis Japan), seit den 1990er Jahren zusammen mit Künstlerkollegen, später dann vorwiegend in Eigenregie.

Das Sammeln von gebrauchten, meist bedruckten Materialien und typischen Spuren unserer Zeit und unseres Alltags bestimmte immer intensiver den künstlerischen Einsatz von Vossmann. Er widmete sich ganz konkret dem schon Benutzten, Verbrauchten, Weggeworfenen, um deren Dauer und Bedeutung zu verlängern, die Dinge wiederzubeleben und ihnen eine neue ästhetische Dimension zu verleihen. 
Was andere übersehen, nicht beachten oder sogar missachten, rettet so der Künstler vor der Gleichgültigkeit seiner Mitmenschen. Aus dem Sammeln und Zusammenstellen verbrauchter und weggeworfener Dinge eine neue Kreation zu schaffen – das  klingt auf den ersten Blick nicht vollkommen unbekannt; doch die Intensität und Filigranität von Vossmanns Arbeiten bieten eine künstlerisch absolut originelle Auseinandersetzung und eigene Ästhetik, die wir wegen der gelebten Diskrepanz zwischen dem Disfunktionalen und dem Hingeworfenen auf der einen Seite und dem Auspolierten und Funktionalen auf der anderen Seite dann auf eine andere Weise wahrnehmen.
Die Vossmannche Verfremdung bringt uns dazu diese ‚unverträglichen’ Pole unserer Lebensumgebung und -Praxis andersweitig zu beobachten und entdecken - als ein verknüpftes und ineinandergeschlungenes  Zusammenwirken und so als eine neue, anmutende Einheit. So schafft Vossman die Existenz der "alten" und neuen Dinge überraschend verbunden  – und dies auf eine intensive und 'meditative' Weise.

Die Vergänglichkeit der Dinge aufzuhalten, sie noch einmal ins Leben zu holen, ihnen neue Bedeutungen und Formen zu geben, sie in einem neuen Kontext wiederaufleben zu lassen – dies ist Vossmanns Grundidee geblieben. Sein Ansatz beinhaltet einen stillen, intensiven und auf eine skurrile Art „sorgfältigen“ Protest gegen die Konsumgesellschaft und deren Lifestyle. Dabei hat Vossmann jedoch keine revolutionären  Absichten, sondern wendet die stummen Mittel der bildnerischen Darstellung an, mit denen er nicht nur den Blick der Zuschauer für ihre Umwelt schärfen, sondern deren Achtsamkeit wecken und eine Fähigkeit zur Selbstkorrektur anstoßen möchte.
Vossmanns Arbeit ist somit vor Allem konzeptionell,  sehr kontemplativ in der Ausführung und thematisch hochaktuell in ihrer Wirkung auf uns, die „Konsumenten“ seiner Kunst.

Ausstellungsdauer: 1.12. 2018 - 12.1.2019

Öffnungszeiten: DI-FR: 11 - 14 h + 15 -19 h und SA: 12 .- 17 h

Geschlossen wegen der Feiertage am 25.-26.12.2018 und 1.1.2019

FINISSAGE:SONNABEND, den 12.1.2019, 18 - 21 h.

Mehr Bilder unter: https://www.facebook.com/subjectobject.de/

Text: Ljiljana Vulin-Hinrichs